Tja, wie beginnt ein treuer Superpunk-Fan wohl einen New York Blog? Natürlich so:
Ich seh’ New York, New York, USA
Noch niemals sah ich etwas, was so hoch war
Wie New York, New York, USA
Hoch, hoch, so hoch
Hell, hell, so hell
Schön, schön, so schön
Schnell, schnell, so schnell
First National City Bank (hoch so hoch)
Waldorf Astoria (hoch so hoch)
RCA Building (hoch so hoch)
// New York, USA (Why not?, 2008)
So, das musste echt sein.
Jetzt zum Thema. Ja wir ihr ja wisst, waren wir Ende April in New York, USA, um
- Céline, David und Simon zu treffen, die sich New York als Abschied für ihre tolle USA-Wohnwagen-Tour ausgesucht hatten (Davon können sie aber selbst berichten
)
- dem hässlichen Frühling in Montréal zu entfliehen
- und natürlich endlich man die doch so bekannte Großstadt zu erkunden.
Dem Amerika-Unkundigen sei gesagt, dass New York im Grunde um de Ecke liegt. Auf der Karte seht ihr, dass der Bundesstaat New York ja schon etwa 50km entfernt von Montréal beginnt. Die Hauptstadt ist übrigens Albany (falls der Geographielehrer fragt). Die Stadt New York City ist so etwa 600km von uns entfernt. Ihr seht, dass man eigentlich immer nur auf der Autobahn 87 nach Süden fahren muss. Sehr einfach zu finden, und von Montréal auch schon ausgeschildert.
View Larger Map
Vorneweg muss ich beichten, dass ich kein gutes Gefühl bei New York hatte. Ich dachte mir solch Sachen wie: Mann, das ist zu groß. Da gibt’s Millionen Leute, die sich auf den Füßen rumtrampeln. Es ist laut, dreckig, hektisch. Zudem weiß man nichts mit sich anzufangen, wenn man nicht auf Fancy-Schmancy-Bars/Restaurants steht, und nicht so ultra-hipp drauf ist, mit großen Sonnenbrillen und Koteletten. Na wir werden sehen, ob sich meine Ängste bestätigt haben.
Achso, sollte ich noch erwähnen: Wir sind natürlich mit der Schwedenkutsche hin, nachdem Vito nochmal 3l Öl nachgefüllt hatte. Warum mit dem Auto? Gute Frage, denn schließlich gibt’s ja auch den Bus und sogar einen Zug. Der Zug braucht für die 600km aber 14h! Und vom Busfahren haben uns alle Freunde abgeraten, denn die Route ist sehr beliebt bei amerikanischen Studenten. Daraus folgt, dass der Bus oftmals mehrere Stunden an der Grenze aufgehalten wird, wenn einer seine Drogen nicht gut genug versteckt hat, oder seinen Pass vergessen hat. Typischerweise ist der Alkoholkonsum in den Bussen wohl auch enorm, was die Busfahrt schnell sehr unangenehm machen kann, auch wenn man nichts trinkt. Zu guter Letzt kostet eine Fahrt nach New York etwa $160 pro Person. An Benzin kommt man auf den gleichen Preis – aber eben für zwei.
Also ging’s am Freitag morgens früh los, bei strahlendem Sonnenschein in Richtung Grenze. Trotzdem ich noch neue Einreisepapiere brauchte, hat’s nur ‘ne halbe Stunde gedauert. Gemütlich fuhren wir dann durch New York – den Bundesstaat. Mann, und die Landschaft ist echt schön. Man kommt zuerst durchs Adirondacks-Gebirge. Hier ist der Highway sogar eine Scenic route – also eine besonders schöne Straße. Vorbei ging’s dann an Albany, der Hauptstadt und durch die Appalachen. Nach 6 1/2h erreichten wir New Jersey, also die Suburbs von New York. Und das erste was auffällt – Es ist alles super grün. Die Leute wohnen quasi im Wald. Krass, denn in Montréal sind die Vororte alle betoniert. Das wächst kein Baum, kein Strauch.
Nach Manhatten ging’s dann über die Washington-Bridge. $12 Mautgebühr als Einitritt in die Stadt. Hier hatten wir auch die erste Begegnung mit einem New Yorker. Der Mautgebührenkassierer motzte uns an, wir sollen doch abhauen. Hier gibt’s nischt zurück. Nur Geld rüberreichen und weiterfahren!! Oho, schöne Begrüßung. Naja nach weiteren 15min standen wir dann schon vorm Haus in Harlem, in dem Céline und David eine Wohnung gemietet hatten. Exakt 7h Fahrt, kein Stau, total entspannt. Wer hätte das erwartet.

NYC - So schön grün ist's 600km südlich von Montréal
Céline, David und Simon waren schon ein paar Tage eher angekommen. Wir hatten uns für später am Nachmittag verabredet, weil keiner so richtig abschätzen konnte/wollte wo man sich treffen solle. Also hatten wir noch ein paar Stunden Zeit, um mal die nähere Umgebung zu erkunden. In Harlem ist man eher ein Exot, wenn man “weiß” ist. Wir waren aber überrascht, wie sauber und ordentlich alles ist – und dass soll keinesfalls rassistisch rüberkommen! Ihr müsst euch nur mal vorstellen, das wir in Montréal Ende April gerade mal die erste Straßenreinigung des Jahres hatten. Überall liegt noch der Dreck vom Winter. Und auch sonst, ist es bei uns hier eher “schmuddelig”. Im Westen von Harlem am Hudson Fluß ist’s so Latino, dass sogar die Schilder auf Spanisch sind. Vor den Häusern sitzen Leute rum und beobachten das Treiben und quatschen. Das ist echt ‘ne andere Welt.
Am Abend trafen wir dann endlich die drei. Mann, war das ein schönes Wiedersehen. Für uns ist es toll, nach langer Zeit mal wieder Freunde zu treffen, und so herzlich begrüßt zu werden. Echt komisch, aber auch schön, nach nur einem halben Tag Autofahrt, die Freunde zu sehen. Da sind der Kontinent und die Stadt plötzlich gar nicht mehr so groß.
Am Samstag galt es dann die Stadt zu erkunden. Glücklicherweise spielte das Wetter mit. Vorhergesagt war Regen für das ganze Wochenende, aber der Samstag immernoch super.
Wir hatten gelesen, dass New York die Stadt der Exzentriker ist. Menschen kommen hierher, weil sie eine Bühne brauchen, um sich selbst zu beweisen und sich darzustellen. Ha, und genau so ist’s wohl.

NYC - Bühne für Exzentriker
Und dann dieser Konsum. Unglaublich! Also wenn etwa 100 Leute vor ‘nem Abercombie & Fitch Laden im strömenden Regen am Sonntag Schlange stehen, um sich mit ‘nem Fotomodel fotografieren zu lassen und dann völlig überteuerte Kaputzen-Shirts zu kaufen, dann weiss ich auch nicht weiter. Haben die nischt besseres zu tun? Naja uns konnt’s egal sein. Wir nutzen am Samstag das schöne Wetter, um dem High-Line Park zu besuchen. Leider war’s auch hier sehr voll. Aber, nett sind die Straßenverkäufer, die Hotdogs, Fleischspieße oder auch Fruchtcocktails anbieten. Wir haben sofort an die Leipziger Ein-Mann-Bratwurststände gedacht. Mann, das müsste’s in Montréal geben – ein Träumschen
Der High-Line Park ist übrigens eine alte Bahnstrecke auf Stelzen. Eröffnet in den Dreißigern, um die Fleischfabriken mit Waren zu versorgen. In den 60′igern wurde die Strecke stillgelegt, und rottete so vor sich hin. In den 90′igern gründete sich ein Verein, der sich um die Erhaltung kümmert. Nun ist die alte Bahnstrecke ein Park. Es bieten sich viele interessante Ausblicke auf Downtown Manhatten.

NYC - 'Hoch so hoch'
Erschöpft und hungrig erreichten wir dann Chinatown. Ein Professor aus Heike’s Institut hatte uns ein Restaurant empfohlen, dass wir nach nie-enden-wollendem Fußmarsch auch fanden. Aber gelohnt hat sich’s . Nach der Stärkung haben wir noch die Brooklyn Brücke besucht. Ein Muss für Mühlhäuser, wie Heike, denn immerhin wurde sie von Augustus Röbling (einem Mühlhäuser) geplant und konstruiert.
Abends fing’s an kräftig zu regnen und wir machten uns einen gemütlichen Abend in der Wohnung. Schließlich gab es ja eine Menge zu erzählen.
Der Sonntag war, wie angekündigt sehr verregnet. Und was macht man da? Na klar, man geht ins Museum. Wir haben uns das Museum of Modern Art (MoMA) ausgesucht. Das haben sich 100′erte Leute natürlich auch gedacht, so dass es eine lange Schlange im strömenden Regen gab. Simon verhalf uns aber, uns vorbei an allen vorzudrängeln
Das Museum selbst? Also meine Meinung? Naja! Es fällt mir schwer zu verstehen, was bitteschön die große Kunst daran ist, ein rosa Brett an die Wand zu lehnen, leere Bilderrahmen aufzuhängen oder 1m x 1m Putz von der Museumswand zu entfernen.

NYC - Links: 'Kunst' im MoMA, rechts: 'Kunst' in Chinatown
Leider findet man den echten Andy Warhol oder den Van Gogh gar nicht mehr so spannend im Original, wenn man schon 10.000 Kopien gesehen hat. Ich muss sagen, dass mir die Feininger-Austellung im Montréaler Musée des Beaux-Arts besser gefallen hat. Da erlebt man die ganze Geschichte eines Künstlers und kann die Werke dann auch besser einordnen. Naja, nicht so schlimm. Interessant war’s dennoch. Und wir haben quasi den ganzen Tag dort verbracht und irgendwie doch nur 1/3 gesehen.
Im Regen ging’s dann ins East Village – also in den Südosten von Manhatten. Oben geanannter Professor aus Heike’s Institut hatte uns ein brasilianisches Restaurant empfohlen. Total durchnässt und mit einem quängelndem Simon kamen wir irgendwann dort an, und was soll ich sagen. Der lange Weg hat sich echt gelohnt. Erstens liefen wir durch eine total schöne Gegend. Ein bisschen wie in Montréal: ältere dreistöckige Häuser, enge Bürgersteige, viele Bäume und Parks und kleine Läden, Cafés und Restaurants. Und das Restaurant war unglaublich. Die Kellnerinnen zwar ein bisschen ruppig, aber das Essen und Cocktails waren einfach spitze. Wenn ihr mal die Gelegenheit habt, solltet ihr unbedingt mal Ceviche probieren – ein Gericht aus in Kokusmilch und Zitronensaft mariniertem rohen Fish. Sehr lecker!
Auf dem Rückweg gab’s dann noch Breakdance in der U-Bahn.

Break-Dance in der U-Bahn
Hier noch ein mal ein Blick in unsere “Hood” Harlem
Am Montag haben Heike & ich noch einen Second-Hand Laden unsicher gemacht. Unter anderem hab ich endlich eine Gitarre zum erschwinglichen Preis gefunden. Und, wie es eben so ist, wenn man in ner fremden Großstadt parkt, sind wir natürlich in die Straßenreinigungsfalle getappt, was uns erst auffiel, als wir von unserem Harlem-Spaziergang zurück kamen, und die Schwedenkutsche als einziges Fahrzeug an der Straße stand – $45 Kurtaxe. Die New Yorker haben aber auch ein lustiges Prinzip. Wenn nämlich wegen Reinigung eine Straßenseite gesperrt ist, dann parken sie einfach zweite Reihe auf der anderen Seite. Hm, interessant das Konzept. Hat aber auch seine Nachteile, z.B. wenn man doch mal weg muss und dummerweise in der ersten Reihe steht.

Harlem - Unsere "Hood" für ein paar Tage
Leider hieß es dann am Nachmittag auch schon wieder Abschied nehmen. Wir hatten ja 7h Fahrt vor uns und auch für Céline, David und Simon ging’s wieder zurück nach Deutschland. Und was soll ich sagen. Ein tolles Wochenende war’s ! Und im Grunde auch total entspannend. Wir sind eben viel rumgelaufen. Kein Stress. Und auch die Menschenmassen hielten sich in Grenzen. Als Tourist kommt mir New York im Grunde wie ein Streichelzoo vor. Man beobachtet all die schrägen Vögel. Einer bunter als der andere. Dazwischen gibt’s viel grün, und wenn’s zu weit wird zum laufen, steigt man in die Parkeisenbahn.
Auf jeden Fall ist die Stadt eine (oder vielleicht auch mehrere Reisen) wert. Es war auch deshalb so entspannend, weil wir fünf irgendwie auf einer Wellenlänge ticken (naja, bei Simon wissen wir’s noch nicht ganz genau
). Man kann unbeschwert plaudern und Gefühle und Erfahrungen austauschen. Wenn man sich lange nicht sieht, gibt’s davon ja auch genügend. Also hier nochmal vielen Dank an Céline & David für die Einladung. Gerne mal wieder.

Céline, David, Simon, Heike & Sören in "Big Apple"
Nachdem wir die drei noch zu einer Metro-Station gefahren haben, gings für uns dann wieder zurück ins noch graue Montréal. Vorher machten wir noch einen unabsichtlichen Abstecher in die Bronx, weil wir die Autobahnauffahrt vor lauer Schildern verpasst hatten. Eh, die Bronx, Mann! Wir haben gedacht, wir fahren durch Mexico City. Alles auf Spanisch, und ein bisschen heruntergekommener als Manhatten. Es gibt super viele kleine Bistros mit mittelamerikanischen Gerichten. Viele Brücken, unter denen dann ein mit Maschendraht eingezäunter Schrottplatz und/oder Autohändler sein Glück versucht. Und sehr vorsichtig muss man sein, weil Leute (ein bisschen wie in Montréal) auch bei ner dreispurigen Schnellstraße bei Rot über die Ampel latschen. Eine tolle Erfahrung, wenn man das Wochenende in Manhatten verbringt, und den Eindruck hat, dass das wohl New York City sei.
Mir viel während der 7h Fahrt auf, dass Amerikaner offenbar deshalb so viele Kilometer am Tag fahren können, weil das Fahrgefühl hier ganz anders ist. Geschwindigkeitsgrenze auf der Autobahn 110km/h. Das heißt
- alle fahren 110km/h (auch LKW’s)
- wegen 1. überholt man im Grunde fast nie
- wegen 1. und 2. ist die Fahrt eben sehr viel entspannter, und man kommt ja dennoch voran.
In Deutschland sind die Geschwindigkeiten viel höher und auch (vielleicht noch wichtiger) die Geschwindigkeitsunterschiede. Man muss ständig bei vollster Konzentration sein, für den Fall dass einer mit 220 km/h angepecht kommt, und einen mit Fernlicht und Blinker von der Spur drängelt. Hier kommt der Raser eben mit 120km/h. Da hat man Zeit sich vorzubereiten, seinen Kaffee abzustellen und die Spur zu wechseln. Und als Deutscher ist man ja selbst der Raser
Also kamen wir auch relativ entspannt wieder zu Hause an.
Und das war er also, unser NYC Kurzurlaub. Reflexion gab’s oben schon. Bleibt mit nix weiter zu sagen als
LG
Sören